Zensur



Mehr und mehr stellt es sich heraus, dass die Türkei weit von einem EU-Beitritt entfernt ist, ja, selbst die Entscheidung der Europäischen Union Beitrittsverhandlungen mit der Türkei über einen irgendwann einmal in der Ferne liegenden EU-Beitritt zu führen, sollte schnellstmöglich wieder revidiert werden.

Der Einfluß des Islam auf Politik und Gesellschaft der Türkei wird seitens der türkischen Staatsführung weitgehend verneint, dabei sieht der Alltag in diesem Land zu oft völlig anders aus.

Schlimmer noch, wenn nun, wie es alle Beobachter als sicher bezeichnen, der fundamentalistische Außenminister Abdullah Gül im nun anstehenden zweiten Wahlgang zum Präsident des Landes gewählt wird, dann droht ein noch weiter verstärkter Einfluss der islamischen Religion.

Abdullah Gül verspricht zwar immer wieder, die Demokratie und die verfassungsmäßige Trennung von Staat und Religion in der Türkei schützen, allerdings, die Realität in der Türkei läßt bei einem islamisch orientierten Präsidenten, dessen Frau noch dazu ein Kopftuch trägt, eher genau das Gegenteil vermuten.

Der weitreichende Einfluss des Islam reicht bis in die höchsten Gerichte des Landes hinein, ein untrügliches Anzeichen, dass an der von Abdullah Gül geschilderten Situation einiges nicht stimmen kann. So hat gerade jetzt die Türkei den Zugang zu der Blog-Seite wordpress.com wegen angeblicher Beleidigung des islamischen Schriftssteller Adnan Oktar gesperrt.

Ein Gericht in Istanbul hat dies so entschieden. Dazu muss man wissen, dass dieser radikal-islamische Mann in seinen Büchern die wissenschaftliche Lehre von der Evolutionstheorie als Betrug bezeichnet. Er ist Verfechter der religiösen Schöpfungsgeschichte.

Unglaublich ist das. Wie jedermann weiß gilt die Evolutionstheorie weltweit wissenschaftlich gesichert, alles andere ist Glauben, der zwar jedem einzelnen überlassen bleibt, was jedoch nichts an den wissenschaftlichen Tatsachen ändert.

Leider zeigen auch ähnlich gelagerte Fälle, dass die türkische Justiz des öfteren zu Mitteln der Zensur in Politik, Gesellschaft und Kultur des Landes greift. So hat vor einigen Monaten die Türk Telekom Zugang zu YouTube blockiert. Dort war ein Video zu sehen, in dem der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk angeblich herabgewürdigt wurde.

Erst nachdem YouTube das Video Tage später auf der Website gelöscht hatte, konnten türkische Internetsurfer wieder auf die Youtube Website. es scheint noch ein weiter Weg zu sein, der Weg der Türkei hin zu einer Demokratie nach westlicher Prägung.

Des weiteren plant man nun ein Gesetz, welches den türkischen Behörden generell erlauben wird den Zugang zu Webseiten zu sperren, auf denen ihr Staatsgründer Atatürk beleidigt wird. Dies könnte dann durchaus als beispiellos bezeichnet werden.

Angesichts dieser Vorgänge, und noch einigen mehr, wie zum Beispiel die türkische Justizposse um die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Engländerin, die zwar nachweislich noch jüngfräulich ist, weswegen ein 17-jähriger Jugendlicher aus Deutschland jedoch bereits seit Monaten in einem türkischen Gefängnis zusammen mit Gewalttätern festgehalten wird, kann man bei der Türkei des Jahres 2007 bei weitem noch nicht von einem Land sprechen, welches auch nur ansatzweise dazu bereit wäre, sich den Werten der EU-Gemeinschaft anzunähern.

Spätestens wenn am 29. August Abdullah Gül zum Präsident der Türkei gewählt werden sollte, wird man sehen, ob sogar das türkische Militär es als notwendig erachtet, gegen den weiter fortschreitenden Einfluss des Islam auf die türkische Politik einzuschreiten.

Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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