Pervers

Unzählige amerikanische Soldaten kommen mit schwersten Verwundungen aus ihren Einsätzen zurück, zu denen sie seitens der Bush-Administration in den letzten Jahren befohlen wurden.
In vielen, wenn nicht sogar den allermeisten Fällen gegen ihren Willen, allerdings, ein Soldat muss nunmal den Befehlen von oben gehorchen. Dies lernen Soldaten gleich zu Beginn ihrer Ausbildung als Allererstes, wie man weiß.
Die USA hat eine Freiwilligen-Armee, und dort haben alle den Soldatenberuf auch freiwillig gewählt, könnte man da jetzt sagen, zumindest, wenn man die ganze Angelegenheit einmal sehr oberflächlich betrachtet.
Denn wenn man näher hinschaut, ist diese Berufswahl so freiwillig dann dann doch nicht, junge Männer und Frauen ergreifen zumeist nur deshalb freiwillig diesen Beruf, weil die meisten von ihnen aus gesellschaftlichen Unterschichten stammen, aus armen, sozial erheblich benachteiligten Familien.
Sie haben kaum Aussichten auf eine gute Ausbildung, gehen daher in die Army und riskieren Kopf und Kragen, damit sie nach einigen Jahren vielleicht das Geld für eine Ausbildung oder fürs College zusammen haben.
Wer nicht diesen Weg geht, dem bleibt dann vielleicht noch ein Arbeitsleben in Fast Food Restaurants, ohne jegliche berufliche Perspektive. Die Propaganda der immer mehr mit Nachwuchsproblemen kämpfenden Armeeführung tut dann auch noch ihr Übriges, die jungen Menschen wissen in der Regel gar nicht, auf was sie sich einlassen, wenn sie zur Army gehen.
Und wenn sie es dann wissen, ist es oft schon zu spät. Tausende opfern ihr Leben für eine fragwürdige Politik des Weissen Hauses, zehntausende kommen aus den Kriegen im Irak oder auch Afghanistan mit schwersten Verwundungen zurück.
Und da es sich mittlerweile auch mehr und mehr in den sozialen Unterschichten der USA herumspricht, wie dumm es doch ist, den Kopf für einige wenige hinzuhalten, hat die US-Armee erhebliche Rekrutierungsprobleme. Und so sinnt das US-amerikanische Verteidigungsministerium, das Pentagon, nach Auswegen aus dem diesem Dilemma. Nachwuchs muß her.
Neben den eher schwierigen Anwerbeaktionen an High-Schools, finanziert man seit Jahren die Entwicklung von leistungsfähigen Prothesen im Rahmen eines Programms mit dem Namen Revolutionizing Prosthetics. Dieses nämlich soll Prothesen eben genau für die Soldaten entwickeln, die in direkten Kriegseinsätzen oder bei den zahlreichen Bombenanschlägen Hände oder Füße verloren haben.
Nun hat man dort eine besonders gute Prothese entwickelt, eine, die drei bis vier Mal leistungsfähiger ist als alle anderen Prothesen, die es bisher gab. Sie wiegt etwa soviel wie die natürliche Gliedmaßen, die sie ersetzen soll, ist viel wendiger und schneller.
Wer aber nun geglaubt hat, dass die Bush-Administration und das Pentagon diese Forschungen alleine aus einer Art moralischen Verantwortung heraus vorantreiben, als eine Art Wiedergutmachung, aus einem Akt der Menschlichkeit, vielleicht sogar aus einem schlechten Gewissen heraus, der sieht sich getäuscht.
Entwicklungsziel des Forschungsprogramms ist es, dass die Prothesen in naher Zukunft einmal so gut sein werden wie ihre biologischen Vorbilder, damit dann die Soldaten mit diesen Prothesen wieder in den Krieg zurückgehen können.
Ein Kolumnist ist darüber nicht einmal mehr erstaunt, nicht sonderlich entsetzt. Denn er betrachtet dies nur noch als eine weitere Perversität einer USA in der politischen Verantwortung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.
Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser