August



Mit dem Jahr für Jahr immer wieder auftretenden Sommerloch haben wir es in diesen Tagen, und es scheint fast so, als ob dieses nun seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Mittelpunkt dieses unsäglichen Loches, in dem sich auch diejenigen zu Wort melden dürfen, die im Grunde nichts zu sagen haben, über die höchstens gelegentlich ungläubig der Kopf geschüttelt oder bei denen sogar einfach nur abgewunken wird, sind dann zumeist besonders alte Zoten oder völlig unwichtige Ereignisse.

Die jüngste Stilblüte des Sommerlochs im Jahre 2007 ist zudem einmal mehr Beweis für eine Form des manipulativen Journalismus, dessen Ausmaß an Niveaulosigkeit deckungsgleich mit dem geistigen und besonders auch charakterlichen Zustand der Verantwortlichen zu sein scheint.

Im Mittelpunkt einer geradezu lächerlichen Medienkampagne, die gerade eben ihren Anfang nahm und bei der man auch davon ausgehen muss, dass hier ein ganzes Stück Strategie dahinter steckt, ist einmal mehr die Bildzeitung, wie könnte dies auch anders sein, sowie ein Politikvertreter, dessen Ansehen nicht nur in Deutschland, sondern vielmehr auch in seiner eigenen Partei, wenig Grund zur Hoffnung gibt, dass dieser zukünftig in irgendeiner Weise einmal zu ganz besonders hohen Weihen berufen sein könnte.

Im Gegenteil. Mit dem Charme eines Festzeltredners, und dennoch nicht mit dem Charisma desselben ausgestattet, in seiner Medienwirksamkeit eher langweilig, bieder und dumpf, und doch fühlt sich dieser Mann dazu berufen eine ehemals große und bedeutende Volkspartei aus den Umfragetiefen der vergangenen Jahre, sprich aus der Versenkung wieder nach oben zu führen.

Dass ihm dies nicht nur nicht gelang, sondern dass seine Partei unter seiner Führung gleich noch einmal und sogar noch erheblich an Stimmen, Einfluss, Macht und sogar reichlich Mitglieder verloren hatte, war für alle Beobachter Beweis genug, dass der Mann das nunmal einfach nicht kann.

Sie haben richtig getippt, verehrte Leser, es geht um den amtierenden SPD Parteivorsitzenden Kurt Beck, ein Mann der augenscheinlich mit seiner Position und Situation überfordert ist.

Nun ist so etwas ja nicht besonders tragisch und schlimm, dies könnte uns allen ebenfalls geschehen, die Konsequenzen aus einer derartigen Situation sollten jedoch dann von Kurt Beck selbst gezogen werden. Und zwar schleunigst, alleine schon zum Wohle seiner eigenen Partei.

Ein Kolumnist fragt sich daher angesichts der derzeitigen Bildzeitungskampagne, machen sich die Verantwortlichen des Springerverlages einen herben Spaß mit Kurt Beck und klopfen sich laut pustend mit dem, einem Boulevard-Journalismus nicht selten eng verbundenen, Gefühl der hämischen Schadenfreude gegenseitig auf die Schultern, oder steckt hinter alledem eine perfide Strategie, deren Gründe vielleicht in der großen Angst vor elementaren politischen Veränderungen in Deutschland zu suchen sind.

Wie sonst ist zu erklären, dass die Bildzeitung ein bereits seit 1997 der deutschen Öffentlichkeit bekanntes Dokument zum Schießbefehl an den Grenzen der ehemaligen DDR gerade jetzt im Sommerloch noch einmal aus der Mottenkiste hervorholt, um eben jenen Schießbefehl dann ihren Lesern als Neuigkeit zu verkaufen. Noch dazu gespielter Entrüstung.

Deutsche Historiker haben mit Entsetzen über diese abermalige niveaulose Form des Journalismus reagiert und in diesem Zusammenhang nicht nur heftige Kritik an der mit der Aufarbeitung der Stasi-Akten beauftragten Birthler-Behörde geübt, sondern als Konsequenz auch noch deren endgültige Auflösung gefordert.

Zeitgleich darf sich dann der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in der Bildzeitung zu Wort melden und in seinem Interview sein polemischen Spitzen gegen die Linkspartei und der von dieser angeblich nicht vollzogenen Vergangenheitsbewältigung zum Besten geben. Derselbe Kurt Beck übrigens, den die Bildzeitung ihrer Leserschaft in den zurückliegenden Wochen und Monaten zu gerne als profillosen dummen August vorgestellt hatte.

Billiger geht Journalismus eigentlich nicht mehr, dies ist nicht nur meine Auffassung zu dem Ganzen. Und, dass Kurt Beck sich hier von der Bildzeitung in dieser einfältigen Weise vorführen lässt, kann nur Beweis dafür sein, in welch hohem Zustand der Verzweiflung sich dieser Mann anscheinend befinden muss.

Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser
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