Aufhängen

Die Globalisierung und ihre Auswirkung auf die Lebenskultur Deutschlands und der anderen EU-Staaten wird immer dramatischer. Während der weitaus grösste Teil Politiker in Berlin und Europa beim Thema Globalisierung trotz jahrelanger Warnungen von vielen Seiten immer noch den Eindruck erwecken, als ob sie mit ihren Kopfen ganz tief im Sand stecken, müssen ihre Bürger zunehmends mit den Nachteilen und Auswirkungen ihrer fatalen Entscheidungen leben.
Obwohl die Auswirkungen zunehmends mit den blossen Händen greifbar erscheinen, scheinen sie einfach nur wegzuschauen. Die starke Ignoranz gegenüber vernünftig und sachlich vorgetragenen Argumenten zeigt sich leider auch darin, dass seitens an dieser Globalisierung interessierter Kreise und der mit ihnen verbundenen Politiker versucht wird, die Gegner und Mahner in eine radikale Ecke zu stellen. Aber damit müsste spätestens jetzt und heute Schluss sein, denn die neuesten dramatischen Meldungen aus Frankreich sollten nun wirklich jeden aufrütteln.
Eine Selbstmordserie erschüttert nämlich dieses Land. Und zwar eine Selbstmord-Serie in französischen Großunternehmen. Die Dramatik der Ereignisse zeigt sich auch darin, dass diese sogar in der Staatsspitze Frankreichs grosse Besorgnis hervorrufen.
So lässt der neu gewählte Staatspräsident Nicolas Sarkozy über seinen Sprecher seine Betroffenheit über die ungewöhnlich vielen Fälle von Selbsttötung am Arbeitsplatz ausrichten, und dass dieser Sachverhalt nun auf Geheiss des Präsidenten genau untersucht werde.
Man wolle die Ursachen herausfinden, um dann Abhilfe für diese Probleme zu schaffen. Doe Probleme und Ursachen, die zu den Selbstmorden führen. Die Fälle sind gleichermassen schrecklich, wie sie nahezu allesamt eine nicht dagewesene Ähnlichkeit aufweisen.
So hatte sich in Paris eine Ingenieurin des Atomkonzerns Areva aus dem Fenster gestürzt, wenige Tage zuvor ein Mitarbeiter des Autobauers Peugeot-Citroën in einem Firmenlager erhängt. Arbeitsminister Xavier Bertrand äusserte selbst seine Betroffenheit über die zahlreichen menschlichen Dramen in den Unternehmen.
Sein Ministerium setzte sich mit Peugeot-Citroën in Verbindung, um eine Bilanz der Lage zu ziehen. Seit Anfang des Jahres gab es nämlich alleine in diesem Unternehmener bereits sechs Selbstmorde.
Da die Gefahr besteht, dass von den jeweiligen Unternehmensführungen sowie von staatlicher Seite nicht unvoreingenommen untersucht wird, fordern die die Gewerkschaften die Suizide von unabhängigen Experten untersuchen zu lassen.
Ein objektiver Betrachter könne den übermäßigen Stress, den die Belegschaften ausgesetzt sind, deutlich besser beurteilen als die von rein unternehmerischen Interessen gelenkte Chefetage. So sollen nun bald Psychiater im Einsatz sein. Peugeot-Citroën hatte aufgrund der dramatischen Situation Anfang Juli eine kostenlose Servicenummer eingerichtet, bei der überforderte Mitarbeiter sich seit dem beraten lassen können.
Auch beim Autobauer Renault, beim Energieriesen EDF und dem Catering-Konzern Sodexhonahmen sich in den vergangenen Monaten mehrere Mitarbeiter das Leben. Renault musste sogar schon Spannungen in der Belegschaft aufgrund der hoch gesteckten Unternehmensziele einräumen.
Während in Frankreich zumindest schon einmal darüber geredet wird, sind die Menschen hierzulande weiterhin völlig schutzlos den Auswirkungen politischer Entscheidungen ausgesetzt. Entscheidungen von Politikvertretern mit der Abgeordneten-Berufsauffassung a là Friedrich Merz, beispielhaft für eine perfekte Lobbyarbeit der freien Wirtschaft.
Zum Wohle einiger weniger, so spüren es immer mehr Beobachter wie auch Betroffene. Und zu Lasten, sprich auf dem Rücken der meisten Menschen in unserem Land.
Das Tagesgeschehen - kommentiert von Valentin Moser